17.10.2018 Jean Améry – gestorben am 17.10.1978

Am 17.10.1978 nahm sich Jean Améry in einem Salzburger Hotel das Leben. Die Älteren erinnern sich noch an seine kettenrauchenden Auftritte im Internationalen Frühschoppen und anderen Fernsehsendungen. Améry war der Urtyp des genreübergreifenden Intellektuellen & Selbstdenkers, Buchautor („Hand an sich legen“, „Über das Altern“ u.v.a), Zweiflers und gelegentlich auch Provokateurs, dem einfache Wahrheiten zuwider waren.

Mittwoch, 17.10.2018, 19.30 Uhr, Eintritt 6 €
Achim Raven & Werner Hanses-Ketteler
Jean Amery
gestorben am 17.10.1978

40 Jahre ist es nun schon her, dass Jean Amery Hand an sich legte. Anlass, diesen großen Leidenden, Denkenden, Streitenden in die Erinnerung bringen. Der in Österreich in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsene, plötzlich zum „Nicht-Nicht-Juden“ geworden, von den Nationalsozialisten als Mitglied des belgischen Widerstands  gefoltert und durch Todeslager geschickte Hans Mayer fand sich nach dem Krieg zwischen allen Stühlen wieder, getrieben von dem unbedingten Willen, von den Schrecken Zeugnis zu geben, Schriftsteller (das Höchste: die Anerkennung als Romancier) und Kritiker von solchem Gewicht zu sein, dass er an der doch unmöglichen Verbesserung des „Geistes“ mit zu schaffen wüsste. Und dabei ebenso getrieben von der Sehnsucht nach dem Tod, bzw dem „Freitod“, der für ihn die einzig oder letztmögliche Befreiung von der Zerstörung des Lebens in und durch den Körper ist, oder genauer: um paradox aus eigenem Willen das aufzuheben (zurückzuweisen), was ihm angetan wurde. Wir wollen darstellen, wie sich dieser Mann in verschiedenen Konstellationen zu entfalten oder zu behaupten strebte, was ihm das abverlangte und welche Funktion er freiwillig–unfreiwillig in der westdeutschen Kultur der Nachkriegszeit spielte.   Konstellationen: Unter „Berufs-Ausschwitzern“  (Primo Lévi und andere), unter Entnazifizierten (Heißenbüttel, Holthuesen, Paeschke, Speer, Andersch), unter Dialektikern (Sartre, Adorno) …

Die Werke Jean Amérys erscheinen im Verlag Klett Cotta