Alle Artikel mit dem Schlagwort “Politisches Buch

15.01.2019 * Ewald Ochel – Erinnerungen eines Düsseldorfer Revolutionärs

Mitunter muten sie an wie ein Schelmenroman: die Erinnerungen von Ewald Ochel. Sozialdemokrat, dann Kommunist, kein Theoretiker – ein Praktiker der Revolution 1918/19. Parteiisch, rastlos, turbulent schildert Ochel seine Erlebnisse: Widerstand gegen den Krieg, Desertion und Flucht in die Niederlande, die Herausgabe der Zeitung „Der Kampf“ in Amsterdam an der Seite Carl Minsters und Wilhelm Piecks, die Beteiligung an der Revolution an vorderster Front in seiner Heimatstadt Düsseldorf und in der Münchner Räterepublik.

Dienstag, 15.01.2019, 19.30, Eintritt frei
Buchvorstellung
Ewald Ochel
„Was die nächste Zeit bringen wird, sind Kämpfe“
Erinnerungen eines Revolutionärs (1914-1921)
mit Joachim Schröder
Moderation: Sabine Reimann
in Kooperation mit dem Rosa-Luxemburg-Club Düsseldorf

Ochels Perspektive spiegelt die Sicht Hunderttausender, die von den Ergebnissen der Revolution enttäuscht waren und in das Lager der radikalen Linken wechselten. Kritisch kommentiert, eingeordnet und mit zahleichen Dokumenten und Abbildungen durch den Herausgeber ergänzt.

Dr. Joachim Schröder, Historiker (1973), wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus an der Hochschule Düsseldorf und Leiter des Erinnerungsortes Alter Schlachthof. Forschungen und Publikationen zur Geschichte des Nazismus, der Weltkriege, des Sozialismus und Kommunismus.

zur Besprechung in der terz 12/2018

5.2.2019 * Das Integrations-Paradox

Zusammenwachsen tut weh.
Wer davon ausgeht, dass Konfliktfreiheit ein Gradmesser für gelungene Integration und eine offene Gesellschaft ist, der irrt. Konflikte entstehen nicht, weil die Integration von Migranten und Minderheiten fehlschlägt, sondern weil sie zunehmend gelingt. Gesellschaftliches Zusammenwachsen erzeugt Kontroversen und populistische Abwehrreaktionen – in Deutschland und weltweit.

Dienstag, 05.02.2019, 19 Uhr, Eintritt 5 €
Vortrag
Aladin El-Mafaalani: Das Integrations-Paradox
Warum gelungene Integration zu mehr Konflikten führt
Moderation: Gabriela Schmitt und Maria Wigbers
In Kooperation
mit Arbeit und Leben DGB/VHS NRW e.V.
Der Eintritt wird vollständig gespendet

 

Das Buch:
9783462051643
Kiepenheuer & Witsch 2018
Pb., 240 Seiten, 15 €

 

Aladin El-Mafaalani nimmt in seiner Gegenwartsdiagnose eine völlige Neubewertung der heutigen Situation vor. Wer dieses Buch gelesen hat, wird- verstehen, warum Migration dauerhaft ein Thema bleiben wird und welche paradoxen Effekte Integration hat- erfahren, woher die extremen Gegenreaktionen kommen- in Diskussionen besser gegen Multikulti-Romantiker auf der einen und Abschottungsbefürworter auf der anderen Seite gewappnet sein- erkennen, dass es in Deutschland nie eine bessere Zeit gab als heute und dass wir vor ganz anderen Herausforderungen stehen, als gedacht.

Aladin El-Mafaalani, 1978 im Ruhrgebiet geboren. Er studierte in Bochum Politikwissenschaft, Soziologie, Wirtschaftswissenschaft und Arbeitswissenschaft. Zunächst war er Lehrer am Berufskolleg Ahlen, später Professor für Politikwissenschaft und politische Soziologie an der Fachhochschule Münster. Seit 2018 arbeitet er im nordrhein-westfälischen Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in Düsseldorf.

7.2.2019 * Bernd Riexinger: Neue Klassenpolitik

Bernd Riexinger analysiert die Erfolge und Misserfolge der Arbeiterklasse in Deutschland – und zieht daraus weitreichende Schluss-folgerungen. Das Buch ist nicht nur ein Appell gegen den gesellschaftlichen Rechtsruck, das formulierte Konzept der verbindenden Klassenpolitik beschreibt einen Weg für einen neuen linken Aufbruch.

Donnerstag, 07.02.2019, 19.30, Eintritt frei
Vortrag
Bernd Riexinger
Neue Klassenpolitik
Solidarität der Vielen statt Herrschaft der Wenigen
In Kooperation mit DIE LINKE KV Düsseldorf
und AG Betrieb & Gewerkschaft


Das Buch:
9783899658279
VSA 2018, Pb., 160 Seiten, 14,80 €

Sein Konzept einer verbindenden Klassenpolitik zielt darauf ab, die verschiedenen sozialen Kämpfe und Kämpfe um Geschlecht, Herkunft und Sexualität zusammen zu führen, um die Profitlogik des Kapitalismus zu durchbrechen.

Ich hatte das Glück, mir mutigen Verkäuferinnen und Müllwerkern, mit Journalisten, Bankangestellten und Garderobefrauen, mit Erzieherinnen und Pflegern zu kämpfen. Sie haben mich gelehrt, wie schnell Menschen zum Widerstand finden können, wie sehr Solidarität und Lebensfreude zusammen-gehen. Sie haben mir gezeigt, dass sie sich selber führen, wenn Führung demokratisiert wird. Diese Erfahrungen sind in dieses Buch eingeflossen.“ (Aus dem Vorwort)

„Riexingers Neue Klassenpolitik verdichtet einen schon länger diskutierten Strang linker Politik.“ (Tom Strohschneider)

Bernd Riexinger, MdB, ist einer der Vorsitzenden der Partei DIE LINKE.

7.11.2018 * Klaus Gietinger: November 1918

100 Jahre nach dem November 1918 zeigt Klaus Gietinger, wie das 20. Jahrhundert auch hätte verlaufen können…

100 Jahre nach dem November 1918 spricht man nur noch vom „Kriegsende“, vom „Zusammenbruch des Kaiserreichs“. Dabei war die Novemberrevolution tatsächlich ein Aufbruch, ein Aufbäumen gegen die herrschenden Klassen.

Mittwoch, 07.11.18, 19.30 Uhr, Eintritt 6 €
Buchvorstellung
Klaus Gietinger
November 1918
Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts

Matrosen, Soldaten und Arbeiter waren noch bewaffnet – und sie hatten genug von den alten Eliten, sie wollten das allgemeine Wahlrecht, die Sozialisierung, die Zerschlagung des Militarismus und die Revolution – ein für alle Mal, jetzt oder nie!
Klaus Gietinger ruft in Erinnerung, wie die Führung der SPD und der Gewerkschaften den Krieg hingegen bis zum Schluss unterstützten und die Ordnung durch ein Bündnis mit den Militärs aufrechterhalten wollten. Diese unversöhnliche Spaltung der Arbeiterbewegung aber hat der Novemberrevolution den Todesstoß versetzt. Das Ergebnis waren auf Rache sinnende Herrschende in Wirtschaft, Verwaltung und Militär, die den verlorenen Krieg ihren zeitweiligen Verbündeten in den Arbeiterbürokratien geschickt anlasteten und auf eine Diktatur mit neuerlichem Weltmachtsstreben und Krieg hinsteuerten.
Dabei war der Kapitalismus auch international nie so gefährdet wie im November 1918. In zahlreichen europäischen Staaten begehrten die Massen auf. Wäre es in Deutschland gelungen, Basisdemokratie und echte Rätemacht zu verwirklichen, hätte die russische Oktoberrevolution eine Chance auf Humanisierung gehabt, und das 20. Jahrhundert hätte ganz anders verlaufen können.

Klaus Gietinger
November 1918
Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts
Mit einem Vorwort von Karl Heinz Roth
Nautilus Flugschriften 2018
br., 272 S., ISBN 978-3-96054-075-5, 18 €

17.10.2018 Jean Améry – gestorben am 17.10.1978

Am 17.10.1978 nahm sich Jean Améry in einem Salzburger Hotel das Leben. Die Älteren erinnern sich noch an seine kettenrauchenden Auftritte im Internationalen Frühschoppen und anderen Fernsehsendungen. Améry war der Urtyp des genreübergreifenden Intellektuellen & Selbstdenkers, Buchautor („Hand an sich legen“, „Über das Altern“ u.v.a), Zweiflers und gelegentlich auch Provokateurs, dem einfache Wahrheiten zuwider waren.

Mittwoch, 17.10.2018, 19.30 Uhr, Eintritt 6 €
Achim Raven & Werner Hanses-Ketteler
Jean Amery
gestorben am 17.10.1978

40 Jahre ist es nun schon her, dass Jean Amery Hand an sich legte. Anlass, diesen großen Leidenden, Denkenden, Streitenden in die Erinnerung bringen. Der in Österreich in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsene, plötzlich zum „Nicht-Nicht-Juden“ geworden, von den Nationalsozialisten als Mitglied des belgischen Widerstands  gefoltert und durch Todeslager geschickte Hans Mayer fand sich nach dem Krieg zwischen allen Stühlen wieder, getrieben von dem unbedingten Willen, von den Schrecken Zeugnis zu geben, Schriftsteller (das Höchste: die Anerkennung als Romancier) und Kritiker von solchem Gewicht zu sein, dass er an der doch unmöglichen Verbesserung des „Geistes“ mit zu schaffen wüsste. Und dabei ebenso getrieben von der Sehnsucht nach dem Tod, bzw dem „Freitod“, der für ihn die einzig oder letztmögliche Befreiung von der Zerstörung des Lebens in und durch den Körper ist, oder genauer: um paradox aus eigenem Willen das aufzuheben (zurückzuweisen), was ihm angetan wurde. Wir wollen darstellen, wie sich dieser Mann in verschiedenen Konstellationen zu entfalten oder zu behaupten strebte, was ihm das abverlangte und welche Funktion er freiwillig–unfreiwillig in der westdeutschen Kultur der Nachkriegszeit spielte.   Konstellationen: Unter „Berufs-Ausschwitzern“  (Primo Lévi und andere), unter Entnazifizierten (Heißenbüttel, Holthuesen, Paeschke, Speer, Andersch), unter Dialektikern (Sartre, Adorno) …

Die Werke Jean Amérys erscheinen im Verlag Klett Cotta