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7.11.2018 * Klaus Gietinger: November 1918

100 Jahre nach dem November 1918 zeigt Klaus Gietinger, wie das 20. Jahrhundert auch hätte verlaufen können…

100 Jahre nach dem November 1918 spricht man nur noch vom „Kriegsende“, vom „Zusammenbruch des Kaiserreichs“. Dabei war die Novemberrevolution tatsächlich ein Aufbruch, ein Aufbäumen gegen die herrschenden Klassen.

Mittwoch, 07.11.18, 19.30 Uhr, Eintritt 6 €
Buchvorstellung
Klaus Gietinger
November 1918
Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts

Matrosen, Soldaten und Arbeiter waren noch bewaffnet – und sie hatten genug von den alten Eliten, sie wollten das allgemeine Wahlrecht, die Sozialisierung, die Zerschlagung des Militarismus und die Revolution – ein für alle Mal, jetzt oder nie!
Klaus Gietinger ruft in Erinnerung, wie die Führung der SPD und der Gewerkschaften den Krieg hingegen bis zum Schluss unterstützten und die Ordnung durch ein Bündnis mit den Militärs aufrechterhalten wollten. Diese unversöhnliche Spaltung der Arbeiterbewegung aber hat der Novemberrevolution den Todesstoß versetzt. Das Ergebnis waren auf Rache sinnende Herrschende in Wirtschaft, Verwaltung und Militär, die den verlorenen Krieg ihren zeitweiligen Verbündeten in den Arbeiterbürokratien geschickt anlasteten und auf eine Diktatur mit neuerlichem Weltmachtsstreben und Krieg hinsteuerten.
Dabei war der Kapitalismus auch international nie so gefährdet wie im November 1918. In zahlreichen europäischen Staaten begehrten die Massen auf. Wäre es in Deutschland gelungen, Basisdemokratie und echte Rätemacht zu verwirklichen, hätte die russische Oktoberrevolution eine Chance auf Humanisierung gehabt, und das 20. Jahrhundert hätte ganz anders verlaufen können.

Klaus Gietinger
November 1918
Der verpasste Frühling des 20. Jahrhunderts
Mit einem Vorwort von Karl Heinz Roth
Nautilus Flugschriften 2018
br., 272 S., ISBN 978-3-96054-075-5, 18 €

17.10.2018 Jean Améry – gestorben am 17.10.1978

Am 17.10.1978 nahm sich Jean Améry in einem Salzburger Hotel das Leben. Die Älteren erinnern sich noch an seine kettenrauchenden Auftritte im Internationalen Frühschoppen und anderen Fernsehsendungen. Améry war der Urtyp des genreübergreifenden Intellektuellen & Selbstdenkers, Buchautor („Hand an sich legen“, „Über das Altern“ u.v.a), Zweiflers und gelegentlich auch Provokateurs, dem einfache Wahrheiten zuwider waren.

Mittwoch, 17.10.2018, 19.30 Uhr, Eintritt 6 €
Achim Raven & Werner Hanses-Ketteler
Jean Amery
gestorben am 17.10.1978

40 Jahre ist es nun schon her, dass Jean Amery Hand an sich legte. Anlass, diesen großen Leidenden, Denkenden, Streitenden in die Erinnerung bringen. Der in Österreich in kleinbürgerlichen Verhältnissen aufgewachsene, plötzlich zum „Nicht-Nicht-Juden“ geworden, von den Nationalsozialisten als Mitglied des belgischen Widerstands  gefoltert und durch Todeslager geschickte Hans Mayer fand sich nach dem Krieg zwischen allen Stühlen wieder, getrieben von dem unbedingten Willen, von den Schrecken Zeugnis zu geben, Schriftsteller (das Höchste: die Anerkennung als Romancier) und Kritiker von solchem Gewicht zu sein, dass er an der doch unmöglichen Verbesserung des „Geistes“ mit zu schaffen wüsste. Und dabei ebenso getrieben von der Sehnsucht nach dem Tod, bzw dem „Freitod“, der für ihn die einzig oder letztmögliche Befreiung von der Zerstörung des Lebens in und durch den Körper ist, oder genauer: um paradox aus eigenem Willen das aufzuheben (zurückzuweisen), was ihm angetan wurde. Wir wollen darstellen, wie sich dieser Mann in verschiedenen Konstellationen zu entfalten oder zu behaupten strebte, was ihm das abverlangte und welche Funktion er freiwillig–unfreiwillig in der westdeutschen Kultur der Nachkriegszeit spielte.   Konstellationen: Unter „Berufs-Ausschwitzern“  (Primo Lévi und andere), unter Entnazifizierten (Heißenbüttel, Holthuesen, Paeschke, Speer, Andersch), unter Dialektikern (Sartre, Adorno) …

Die Werke Jean Amérys erscheinen im Verlag Klett Cotta

20.9.2018 * Frank Deppe: 1968

1968: Zeiten des Übergangs

Frank Deppe  analysiert die Ereignisse des Jahres 1968 im Kontext der damaligen weltpolitischen und ökonomischen Strukturveränderungen und fragt auch nach der aktuellen Rezep­tion.

Donnerstag, 20.09.2018 19.30 Uhr, Eintritt 6 €
Buchvorstellung
Frank Deppe
1968
Zeiten des Übergangs
in Kooperation mit der VVN-BdA

Was ist aus den Helden der »Revolution« geworden? Wie wurde 1968 von den Liberalen in die Erfolgsgeschichte der europäischen Führungsmacht Deutschland integriert? Und er geht auf das ungebrochene Bedürfnis rechtsradikal-nationalkonservativer und christlich-fundamentalistischer Kräfte nach einer »Revanche für 68« ein.

Frank Deppe:
1968: Zeiten des Übergangs
Das Ende des „Golden Age“, Revolten & Reformbewegungen, Klassenkämpfe & Eurokommunismus
VSA Verlag 2018
Kt., 144 S., ISBN 978-3-89965-794-4, 12,80 €

27.09.2018 * Schröder & Kalender: Siegfried

Siegfried: das 1972 erschienene Skandal- und Schmuddelbuch erzählt so etwas wie die Geschichte der deutschen Verlagslandschaft und des Buchhandels „von unten“.
Jörg Schröder, Verleger des legendären März Verlages (ja, der mit den gelbschwarzroten Büchern…) hat Ernst Herhaus seine Geschichte erzählt. Zum 80. Geburtstag von Jörg Schröder erscheint eine stark ergänzte Ausgabe, die er zusammen mit Barbara Kalender bei uns vorstellen wird.

Donnerstag, 27.09.2018, Eintritt 7 €
Lesung
Jörg Schröder & Barbara Kalender
Siegfried
Die finale Ausgabe des Siegfried, von Barbara Kalender mit einem umfassenden Anhang ausgestattet, der Leben und Werk des Jörg Schröder bis in unsere Tage erzählt

:

Jörg Schröder
Siegfried
Jörg Schröder erzählt Ernst Herhaus
Mit einem umfangreichen Anhang mit zahlreichen Abbildungen und Faksimiles
Schöffling Verlag 2018
geb., 544 S., ISBN: 978-3-89561-252-7, 28 €

»Ein Selbstbekenntnis, ein Stück Entblößungsliteratur, wie man es so rücksichtslos von deutschen Literaten bislang nicht gewohnt war«, stand im Spiegel bei Erscheinen, »DIE BOMBE IM GELBEN UMSCHLAG« sah Dieter E. Zimmer in der ZEIT, die FAZ wusste: »ein Buch, das zum Erschütterndsten gehört, das in deutscher Sprache zu lesen ist.«

Die Lebensgeschichte des Jörg Schröder, die Geschichte des März Verlags, welcher der kulturrevolutionäre Verlag Deutschlands gewesen ist, liest sich auch heute noch so elektrisierend wie bei Erscheinen 1972, Siegfried ist heute »so aufregend wie damals, ein Vulkan, einzigartig, skandalträchtig noch immer.« (Peter W. Jansen in der FAZ).

Dienstag, 24.04.2018 * Achim Raven: Plappern macht Schule

Zwischenbemerkung zu Schule und Sprache

In Lehrerzimmern ebenso beliebt wie wohlfeil: Der behagliche Grusel, dass am Gymnasium so viele Kinder und Jugendliche weder richtig zu schreiben noch sich angemessen auszudrücken fähig seien. Selten kommt jemand auf den Gedanken, dass Schüler*innen so schreiben und sprechen, wie sie es an einem Ort beigebracht kriegen, wo Bescheidwissen, Selbststeuerung und Leistungsvergleich höchste Priorität haben.
Der Autor resümiert nach vierzigjähriger Tätigkeit am Gymnasium:
1. Pädagogischer Gestaltungsspielraum ist a priori bürokratisch reguliert und erschöpft sich in der kreativen Anwendung verbindlicher Umsetzungsmodalitäten.
2. Der Eigensinn und die längst vergessene docta ignorantia könnten immerhin geringfügige Gegenkräfte freisetzen. Dass es zu einem solchen Resümee des Bestecks theoretischer Kritik bedarf, steht außer Frage.

Dienstag, 24.04.2018, 19.30 Uhr, Eintritt frei
Buchvorstellung
Achim Raven
Plappern macht Schule
Zwischenbemerkung zu Schule und Sprache
Moderation: Georg Noe

onomato Verlag 2017
256 S., kt., 18 €
ISBN9783944891606